2009/01/21

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"Falter" Nr. 04/09


Immer mehr Leute verlosen ihre Häuser - auch in Wien. Wer profitiert davon?


Bericht: Martin Gantner


Radu Adria zappt stolz durch seine Filmsammlung. 1300 Dokus und Actionfilme säumen die Regale in seinem kleinen Privatkino: Leinwand, Lederfauteuils ein kleiner Beistelltisch. Wände, Decke und Boden sind wie im Lugner-Kino mit schwarzem Stoff verkleidet. "High Definition und Dolby-Surround." Nein, ins Kino gehe er nicht mehr, sagt Adria. Das könnte sich ändern. Es hängt davon ab, ob in seinem neuen Heim Platz für ein Kino sein wird. Denn Adria verlost sein Haus - wie so viele andere auch in diesen Tagen. Schon bald wird es jemandem gehören, der nur 99 Euro dafür bezahlt und dessen größte Sorge es sein könnte, woher die ganzen Möbel nehmen, um 380 Quadratmeter Wohnfläche einzurichten. Denn Adria übergibt das schmucke Stück "völlig lastenfrei".


Das alte Fuhrwerkerhaus im 16.Bezirk haben vor dem Falter schon die Damen von News besichtigt. Davor ATV. Adria selbst erfuhr im Dezember in Woman von dem neuen Trend, kurz bevor sich auch der ORF auf das Thema setzte und während jener Zeit, als in Österreich andauernd über die jeweils neuen Verlosungsobjekte berichtet wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte Adria schon seit drei Monaten vergebens versucht, sein 1,2 Millionen Euro teures Anwesen per Annonce zu verkaufen. Dann kam ein Anruf aus der Steiermark: Bernd Asbeck von der Plattform Auxionit ( www.auxionit.at) hatte Adrias Inserat gelesen und bot ihm an, er möge sein Haus doch auf seiner Webseite zur Verlosung freigeben.

Plattformen wie Auxionit sind in den vergangenen Tagen zahlreiche aufgetaucht. Sie alle rittern um eine künftige Vorherrschaft am Immobilienmarkt, sollte sich das Geschäft mit der Verlosung tatsächlich etablieren. Und solange berichtet wird, läuft der Laden, auch wenn bislang in Österreich nur das Haus am Wörthersee tatsächlich auch verlost wurde. Georg Scherrer, Betreiber der Seite raffle.at verweist auf 590.000 Zugriffe in zwölf Tagen. "Jetzt wird das noch belächelt", sagt er verheißungsvoll, "aber das könnte auch so verlaufen wie bei eBay damals." Auch Christian Mandl von lospoint.at spricht von einem regelrechten Boom: "Vor ein Uhr früh hab ich das Büro in den letzten Tagen nicht verlassen."

Veranstalter dieser Plattformen bewegen sich auf rechtlich dünnem Eis. Zuletzt wies die Notariatskammer warnend auf offene Detailfragen hin. Auch Arbeiterkammer und Konsumentenschützer mahnten zur Vorsicht. Das Finanzministerium, zuständig für die Hütung des staatlichen Glücksspielmonopols, gab jedoch grünes Licht, solange die Verlosungen nicht gewerblich organisiert werden und kein veranstaltender, organisierender oder mitwirkender Unternehmer für die Verlosungen verantwortlich zeichnet. Kurz: Einer Verlosung eines Objektes durch eine Privatperson stünde nichts im Weg. Die meisten Plattformbetreiber schneiden bei den Verlosungen finanziell kräftig mit. Bei Auxionit sollen etwa zwischen einem und drei Prozent jedes verkauften Loses an den Plattformbetreiber Asbeck gehen. Asbeck selbst sagt, dass die Objekte mittlerweile einen Gegenwert von rund 12,5 Millionen Euro hätten.


Würden also für alle diese Objekte auch genügend Lose verkauft und durchschnittlich zwei Prozent Gebühren verrechnet, würde Asbeck immerhin eine Viertelmillion Euro verdienen. "Das ist eine Kostendeckung und keine Provision", sagt Asbeck. Organisieren müsse der Verloser selber, man stelle nur die Seite und somit Öffentlichkeit zur Verfügung.

Bei lospoint.at und raffle.at soll nicht direkt am Losverkauf mitgeschnitten werden, sondern es wird eine Beratungsleistung in Rechnung gestellt. Im Falle von lospoint.at handelt es sich um eine Pauschale von 1200 Euro pro Beratung. Alle Anbieter betonen jedoch, nicht organisierend oder veranstaltend an den Verlosungen mitzuwirken. Asbeck sagt, er habe auch keine potenziellen Hausverloser für die Seite angeworben, also nicht gezielt nach Leuten gesucht, die ihr Haus verkaufen wollten. Neben Adria dürfte er aber zumindest auch versucht haben, den Verloser des Anwesens am Semmering für seine Webseite zu gewinnen. Dieser lehnte ab und stellte seinen "Luxusbungalow" selbst ins Netz.


Auch Radu Adria selbst hat nun eine eigene Seite ( www.hausverlosung-wien.at), um nicht länger mit dem Verkauf der Lose für sein Ottakringer Anwesen warten zu müssen. Doch auch seine Stimmung könnte noch getrübt werden. Bislang war unklar, wann die vom Finanzamt in Rechnung gestellte Wettgebühr von zwölf Prozent je verkauftes Los zu entrichten ist. Harald Waiglein, Pressesprecher im Finanzministerium, stellt jedoch klar: "Unabhängig davon, ob die Verlosung stattfindet oder nicht und wie viele Lose verkauft werden, für die verkauften Lose ist die Gebühr zu entrichten."


Das heißt, verkauft Adria nur 15.000 anstelle der zur Durchführung der Verlosung notwendigen 16.000 Lose, würden auch ihm Kosten von knapp 180.000 Euro entstehen die freilich nicht er selbst zu tragen hätte, sondern Kosten, die dem einzelnen Losverkäufer gegenverrechnet würden. Vorerst plant Adria jedoch, noch kommende Woche mit dem Losverkauf zu beginnen. Wohin er später ziehen wird, kann er noch nicht sagen. Möglicherweise auf den Semmering. Auch er hat sich ein 99-Euro-Los für den Luxusbungalow gekauft.

Kommentare:

  1. Guter und ausführlicher Artikel zum Thema.
    Mich fasziniert die Möglichkeit der Hausverlosung sehr und ich hoffe, dass es noch ne Weile legal bleibt...
    Wenn's Dich interessiert: Ich habe eine wahrscheinlich komplette Zusammenstellung aller aktueller Verlosungen auf Hausverlosungen.biz zusammengestellt.
    LG, Thomas

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  2. Gefällt mir auch sehr gut.

    Dabei will ich auf unser Portal hinweisen.

    Auf www.alleverlosungen.at findet Ihr alle aktuellen Verlosungen von Immobilien, Autos und Yachten auf einen Blick.

    Zusätzlich findet Ihr noch News und weitere Informationen rund um das Thema Verlosungen im deutschsprachigen Raum.

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  3. Hallo Martin,
    Ein sehr wahrer beitrag von dir!
    und tja,
    Vorerst plant Adria jedoch, noch kommende Woche mit dem Losverkauf zu beginnen. Wohin er später ziehen wird, kann er noch nicht sagen. Möglicherweise auf den Semmering.

    Auch er hat sich ein 99-Euro-Los für den Luxusbungalow gekauft.
    Einer? Zwei! Wir werden sehen ob unsere chance nach 2 gekauften lose, wahr wird!
    Liebe Grüsse aus Ottakring,
    Radu Adria

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  4. na dann alles gute für beide verlosungen :-)

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  5. Neuwertige Motoryacht Aquanaut Drifter 1150 AK Baujahr 2004, EW 2005 wird verlost. Alle Informationen auf www.yacht-verlosung.at

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