2008/11/20

Bis in alle Ewigkeit






































Von Martin Gantner | © ZEIT ONLINE 20.11.2008


Der Tod ist sicher, nicht aber die letzte Ruhestätte - das zeigt der Diebstahl der Leiche Friedrich Karl Flicks. Friedhof, Weltraum und Almwiese im Sicherheitsvergleich



Den Unternehmer Karl Flick plagten in den letzten Jahren seines Lebens Sorgen um seine Sicherheit und die seiner Familie. Der Milliardär hatte allen Grund dazu: 1991 wurde der Bruder seiner Frau entführt. Die Entführer verlangten fünf Millionen Euro Lösegeld. Zur Übergabe kam es nicht, die Polizei konnte die Täter ausfindig machen und den Schwager befreien. Die Entführung ging glimpflich aus.


Bei Flick hat sie dennoch tiefe Spuren hinterlassen. Fortan überließ er nichts dem Zufall. Seine Villa am Wörthersee glich einer Festung, und seine Kinder wurden von Leibwächtern zur Schule gebracht. Zu sehr fürchtete er, seine Liebsten könnten ein weiteres Mal entführt werden.


Mehr als 15 Jahre später stehen die Kinder des einstigen Milliardärs erneut unter Personenschutz. Denn zwei Jahre nach seinem Tod wurde Flick selbst Opfer einer Entführung. Zu einem Zeitpunkt, da er sich dagegen nicht mehr schützen kann. So wie ihm ging es zuvor schon Pharaonen im alten Ägypten, aber auch Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin und dem langjährigen sogenannten König der Mailänder Finanz, Enrico Cuccia.


In letzteren beiden Fällen wurden die gestohlenen Särge gefunden. Der von Chaplin vergraben in einem Acker in der Schweiz, und jener von Cuccia wenige Tage nach der Leichenfledderei im April 2001 in einer verlassenen Sennhütte in der Nähe von Turin. In beiden Fällen hatten die Diebe Lösegeld gefordert.


Auch wenn Millionäre und Milliardäre häufiger zu ihren Lebzeiten als nach dem Tod entführt werden, stellt sich die Frage, wie man der Leichenfledderei entgehen und einer sicheren letzten Ruhestätte gewiss sein kann.


Daniel Eickhoff glaubt zu wissen, wie das geht. Eickhoff ist Trauerberater bei Bestattungen Burger, einem bundesweit tätigen Unternehmen, das sich auf exklusive Bestattungsformen spezialisiert hat. Eickhoff sitzt im bayerischen Fürth. Er sagt: "Am sichersten ist die Bestattung im Weltraum. Wenn die gesamte Asche eines Menschen dort bestattet werden soll, kostet das 500.000 Euro.“


Posthum ins All kommt man allerdings auch billiger: 12.000 Euro kostet die Mini-Urne für etwa sieben Gramm Asche mit aufgedruckter Widmung. Der Abschuss des Bestattungssatelliten, der später wieder in die Erdatmosphäre eintritt und gleich einer Sternschnuppe verglüht, inklusive. Der Bayer würde in solchen Fällen mit Bestattungsunternehmen in Houston/Texas zusammenarbeiten – würde dieser Service nachgefragt werden, was bis heute noch nicht geschehen ist. Auch die Mondbestattung für 27.000 Euro, bei der die Asche des Verstorbenen auf der Mondoberfläche platziert wird, wollte noch niemand. "Bei dieser Bestattungsart ist eine lange Wartezeit für die Urne einzuplanen“, sagt Eickhoff. Aus Kostengründen werden in Houston Fahrgemeinschaften zum Mond gebildet.


Das schweizerische Unternehmen Algordanza mit Sitz in Chur bietet eine Diamantbestattung an. Aus dem Angehörigen wird ein einkarätiger, weißer oder bläulich schimmernder Diamant gefertigt. Dieser kann geschliffen an einer Kette um den Hals oder in einer Fassung am Finger getragen werden. Oder der Tote findet seine letzte Ruhestätte einfach im Safe der Familie. Hierzu wird der Kohlenstoff, der sich im Körper des Toten befindet, extrahiert, in Reaktoren zu Grafit umgewandelt, gereinigt und zu einem Diamanten gezüchtet. Das dauert knapp zwölf Wochen.


Auch Deutsche zeigen Interesse. "Unsere Kunden, die Hinterbliebenen, sind häufig mobil und haben keinen Bezug mehr zu Friedhöfen", sagt Eickhoff. 900 Menschen haben den Service im vergangenen Jahr nachgefragt, 15 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Je nachdem, wie hochkarätig der Diamant sein soll, kostet das zwischen 4600 und 13.200 Euro. Bis zu vier Diamanten können aus einem Toten gewonnen werden. Für den zweiten und jeden weiteren Stein reduziert sich der Preis um jeweils 352 Euro.


Rechtlich war diese Bestattungsform umstritten, denn in Deutschland herrscht Friedhofszwang. Ob Sarg oder Urne, beide gehören auf den Friedhof. "So wird der Tote aber nach Schweizer Recht bestattet. Die Rückführung als Diamant ist nicht strafbar, weil der Aschenanteil sehr gering ist.“ Eickhoff ist überzeugt: "Diese Bestattungsformen sind exklusiv und sicher.“


Wer sicher sein möchte, dass seine letzte Ruhestätte auch wirklich die letzte ist, dem bleibt nur das Exil im Orbit oder in der Schweiz. Eine Ballonbestattung in Holland oder eine Almwiesenbestattung in Österreich sind weitere Möglichkeiten. "Deutschland ist eines der letzten Länder in Europa mit Friedhofszwang.“


Für Erdbestattungen kann Eickhoff jedoch keine Garantien abgeben. Urnen werden in der Regel nur in 80 Zentimeter Tiefe vergraben, Särge aus Platzmangel oftmals übereinander gestapelt. Was Bestattungen Burger abseits von Diamanten, Mond- und Universumreisen bisher nicht anbietet, sind alarmgesicherte Gruften und Gräber.


foto/www.flickr.com/peterbreuer

1 Kommentar:

  1. http://botschaftneukoelln.wordpress.com/2009/04/03/auf-wiedersehen-ii/

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